Ready for Recording – Leitfaden

Das Aufwärmen der Stimme

Bevor du mit dem Üben deines Songs beginnst, musst du deine Stimme aufwärmen. Das ist wichtig, damit du den Stimmbändern keinen Schaden zufügst, sondern diese ausbildest. Mit Aufwärmen ist weder gemeint, dass du eine Tasse Tee trinkst, noch dass du eine Arie schmetterst – obwohl du den Hals immer warm halten solltest, denn Wärme ist sehr bedeutsam für die Stimmbänder. Sind es also nicht gerade 30°C draußen, solltest du einen dünnen Schal oder ein Tuch tragen.

Zum Aufwärmen startest du am besten mit einer Tonleiter, von welcher du immer drei aufeinander folgende Töne hoch und runter singst. Beginne mit einem tiefen Ton. Nach drei Durchgängen wiederholst du das Ganze – nur einen Halbton höher. Keine Sorge, wenn du den Halbton nicht genau triffst – es geht lediglich um die Steigerung der Höhe. Die Tonleiter kannst du zum Beispiel auf A, O oder U singen, denn offene Vokale bieten sich für diese erste Übung an. Lege nicht zu viel Kraft in diese ersten Töne, damit du deine Stimme nicht überforderst. Wenn du in den hohen Lagen angekommen bist, kannst du nun wieder unten starten und die Übung diesmal mit mehr Kraft ausführen. Insgesamt solltest du für das Aufwärmen fünf bis zehn Minuten einplanen. Diese Übung ist allerdings nur eine von sehr vielen.

Übung macht den Meister

Zu den Aufwärmübungen zählen natürlich auch Übungen, um deine Stimme zu lockern und auszubilden. So kannst du zum Beispiel Grimassen schneiden oder deine Lippen durch das Pusten von Luft zum vibrieren bringen – diese leicht merkwürdig aussehenden Übungen lockern dein ganzes Gesicht. Außerdem kannst du deine Aussprache verbessern und gleichzeitig dein Zwergfell in Schwung bringen, wenn du immer 2 Mal den Laut „p“ („pöhpöh“) mit dem Laut „t“ („töhtöh“) abwechselst – also pp tt pp tt pp etc.. Das funktioniert auch mit „ss“ / „ff“ oder „ss“ / „schsch“.

Nun kannst du noch deinen aktuellen Lieblingssong singen und dir danach dein ausgewähltes Lied vornehmen. Am besten du hörst es dir zuerst noch einmal an und arbeitest danach sofort mit der Karaoke-Version. Verwendest du zum Üben immer die Original-Version, dann ist die Gefahr groß, dass du sie bei deiner Aufnahme eins zu eins nachsingen wirst. Übst du ohne das Original, so kannst du dem Song noch ohne große Mühen deine eigene Note verleihen. Versuche die im Song beschriebene Geschichte zu verstehen und sie dir vor deinem inneren Auge mit Bildern zu verdeutlichen. Durch diese optische Assoziation wird es dir leichter fallen, den Text auswendig zu lernen und Gefühle zu transportieren.

Singe zwischendurch immer wieder andere Lieder, die dir spontan einfallen. So verlierst du nicht so schnell die Lust an deinem Studiosong. Picke dir dann nach und nach die Stellen aus deinem Song heraus, die dir noch Schwierigkeiten bereiten. Aber Vorsicht: Du solltest es mit der Dauer deines Trainings nicht gleich übertreiben – das ist deine Stimme noch nicht gewöhnt und du solltest auf keinen Fall eine Heiserkeit riskieren. Lieber das zeitliche Pensum nach und nach steigern und vielleicht mit einer halben Stunde Training beginnen.
Wenn du mit deiner Übungs-Session fertig bist, dann nehme das Lied doch einfach einmal mit deinem Handy oder Fotoapparat auf und höre dir die Aufnahme bei deiner nächsten Übungsstunde an. So kannst du Fehler besser erkennen und daran arbeiten.

Das erste „Live-Konzert“ im Wohnzimmer

Der nächste Schritt ist, dass du den Song einmal Familie oder Freunden vorsingst. Bitte sie um konstruktive Kritik. Deren Feedback wird dir mehr Selbstbewusstsein verleihen für deine Aufnahme im Studio. Es ist keine gute Idee den Musikproduzenten im Studio als dein Prämieren Publikum auszuwählen. Wenn Fehler erst am Tag der Aufnahme auffallen wirst du kaum mehr Gelegenheit haben, diese auszumerzen.

Auch um dich letztendlich im Studio nicht von deiner Scheu bremsen zu lassen, ist dies ein wichtiger Teil deines Lernprozesses. Es gibt natürlich Sängerinnen und Sänger, die absolut kein Lampenfieber haben, aber selbst die großen Stars müssen immer wieder auftreten, um mit dieser Nervosität umzugehen, bzw. sich daran zu gewöhnen. In der Woche vor deiner Aufnahme, wenn der Song schon richtig gut sitzt, könntest du auch einen Karaoke Abend mit Freunden planen und dort dein eingeübtes Lied zum Besten geben.

Mit dem Speiseplan zur klaren Stimme

Um deine Stimme fit zu machen, zählt nicht nur das Training – essen, trinken und der Lebenswandel beeinflussen sie ebenfalls stark. Ist der Körper angestrengt, gestresst oder sogar ausgepowert so spiegelt sich dieser Zustand meist auch im Gesang wider. Also vor der Aufnahme unbedingt ausschlafen und am Wochenende zuvor möglichst auf keine Party gehen!

Essen: Es ist wichtig genug zu essen, um ausreichend Kraft für das Singen zu haben. Ein knurrender Magen macht sich auf der Aufnahme nicht so gut. ABER es muss das richtige Essen sein. Gut ist leichtes Essen (z.B. Salat oder Gemüse). Nichts fettiges, denn dieses liegt schwer im Magen und ist schlecht für die Stimme. Als Nachtisch eignet sich ein Apfel, denn dieser reinigt die Stimmbänder. Auf gar keinen Fall vor der Probe oder Aufnahme Schokolade, Chips oder Gummibärchen & Co essen. Diese Dinge belasten die Stimmbänder. Vitaminreiche Ernährung ist essenziell, damit du nicht krank wirst – besonders in den kälteren Wintertagen. Sowieso ist Winterluft sehr anstrengend für die Nebenhöhlen und daher ist zu dieser Jahreszeit Schal und durch die Nase atmen angesagt. Auch eine Mütze kann bei niedrigen Temperaturen nicht schaden, da 70 Prozent der Körperwärme über den Kopf verloren geht.

Trinken: Viel trinken ist generell eine Grundregel, damit die Stimmbänder nicht austrocknen und der  Hals kratzig wird. Auch hier ist jedoch wichtig, was man trinkt. Sehr gut eignet sich warmer Tee – ruhig mit ein wenig Honig. Wasser ist auch sehr gut – allerdings sollte es während der Probe oder Aufnahme ohne Kohlensäure sein, damit sich keine Luft in der Speiseröhre sammelt. Apfelschorle ohne Kohlensäure ist ebenfalls gut bevor man singt. Generell sollte man alle anderen Getränke (wie z.B. Milch, Softdrinks oder andere Säfte) vermeiden und definitiv auf Alkohol verzichten.

Dein Zeitplan für eine effektive Vorbereitung

Der folgende Zeitplan soll dir helfen, die Wochen bis zur Aufnahme optimal zu nutzen. Sicherlich ist dein Tag in der Regel gut gefüllt mit Schule, Studium oder Arbeiten, mit deinen Hobbies oder dem Treffen von Freunden. Daher ist es sehr wichtig, dass du früh genug mit der Vorbereitung auf deine Tonstudio-Session beginnst und diese nicht auf die letzte Sekunde verschiebst. Dieser Zeitplan bezieht sich auf die Gesangsaufnahme eines eigenen oder Cover-Songs (Zeit für Erstellung eines Instrumental-Playbacks nicht einkalkuliert!).